925 Sterling Silber 

 

Silber ist ein chemisches Element mit dem Elementsymbol Ag.

Ag leitet sich vom lateinischen Wort „argentum“ für „Silber“ ab.

 

Silber gehört zu den Edelmetallen.

Es ist ein weiches, gut verformbares Schwermetall mit der höchsten elektrischen Leitfähigkeit aller Elemente und der höchsten thermischen Leitfähigkeit aller Metalle.

 

 

Etymologie

 

Das Wort „Silber“ (althochdeutsch silabar, silbar) leitet sich aus der gemeingermanischen Wurzel *silubra- ab, ebenso wie die Bezeichnungen

in anderen germanischen Sprachen (so engl. silver).

 

In anderen indogermanischen Sprachen geht das Wort für Silber auf

die Wurzel *arg zurück, so altgriechisch argyros(ἄργυρος) und lat. argentum.

Argentinien wurde nach dem Silber benannt, das Europäer dort zu finden hofften;

es ist das einzige nach einem chemischen Element benannte Land.

 

 

Geschichte

 

Silber wird von Menschen etwa seit dem 5. Jahrtausend v. Chr. verarbeitet.

Es wurde zum Beispiel von den Assyrern, den Goten, den Griechen, den Römern,

den Ägyptern und den Germanen benutzt.

Zeitweise galt es als wertvoller als Gold.

Das Silber stammte meistens aus den Minen in Laurion, die etwa 50 Kilometer südlich von Athen lagen. Bei den alten Ägyptern war Silber als Mondmetall bekannt.

Im Mittelalter und der Frühen Neuzeit wurden in Zentraleuropa Silbererzvorkommen

im Harz, in Waldeck-Frankenberg, am Donnersberg, im Thüringer Wald, in Sachsen, im Südschwarzwald, Böhmen und der Slowakei entdeckt.

Ergiebige Silbervorkommen sind darüber hinaus aus Kongsberg (Norwegen) bekannt.

 

 

Schwaz in Tirol

 

Größter Silberproduzent im Mittelalter war Schwaz. Bis zu 80 % des damaligen Silbers

kam aus den Stollen der Schwazer Knappen.

War das Ortsbild anfänglich bäuerlichen Charakters, stieß es nach der Entdeckung der

Silber- und Kupfervorkommen bald in großstädtische Dimensionen vor.

 

Bereits in der Bronzezeit war in den Bergen zwischen Schwaz und Kitzbühel Kupfer

abgebaut worden, das in Verbindung mit Zinn zur Herstellung von Bronze benötigt wurde.

Zur Blütezeit des Bergbaus im 15. und 16. Jahrhundert war Schwaz als die größte Bergbaumetropole Europas   mit 20.000 Einwohnern (heute etwa 13.000) nach Wien die zweitgrößte Ortschaft im Habsburgerreich.

 

Der Silberabbau im Schwazer Silberbergwerk begann einer unbestätigten Sage nach

im Jahre 1409, als die Magd Gertraud Kandlerin beim Weiden eines Stieres auf dem

Kogelmoos (Bereich oberhalb der Stadt) einen silbererzhaltigen Stein entdeckt haben soll.

Um 1420 wurden erstmals reichhaltige Erzgruben am Falkenstein aufgetan, und die Zuwanderung von bergmännischem Fachpersonal aus Böhmen und Sachsen begann.

Innerhalb weniger Jahre wurde die Schwazer Metallproduktion ein europäischer Wirtschaftsfaktor, und der Falkenstein wurde zur Silber- und Geldquelle der Habsburger.

Die Augsburger Handelsfamilien Fugger und Paumgartner waren über den Zeitraum des Silberbergbaus präsent und legten durch den Silberabbau den Grundstein ihres Reichtums.

Jakob Fugger galt und gilt heute noch als „Der reichste Mann der Welt“.

 

Auch der Arzt Paracelsus (Philipp Aureol Theophrast Bombast von Hohenheim in Egg an der Sihl) besuchte auf seinen Forschungsreisen zweimal (1516 und 1533/1534) Schwaz, um sich mit bergmännischen Krankheiten auseinanderzusetzen, und erhielt wahrscheinlich Informationen von dem Schwazer Arzt Johannes Milchtaler.

 

Durch den Import von billigem Silber aus dem amerikanischen Tagebau begann

der Niedergang der Silberzeit in Schwaz.

In einem Zeitraum von 1420 bis 1827 wurde an Silber 2.571 Tonnen und an

Kupfer 190.999 Tonnen abgebaut.

 

Über die „Mutter aller Bergwerke“ wurde 1558 von Georg Rösch von Geroldshausen

folgender Reim (übertragen ins Neuhochdeutsche) erfasst:

 

Schwaz ist aller Bergwerke Mutter zuwahr

Davon ernährt sich eine gar große Schar [von Menschen]

Dreißigtausend, wenn ich recht behalte [mich recht entsinne]

Männer, Frauen, Junge und Alte.

 

 

Von Silber über den Taler zum Dollar

 

1477 verlegte Erzherzog Sigmund von Tirol die landesfürstliche Münzstätte

von Meran nach Hall. Der Grund dafür ist wohl in der guten Befestigung der Stadt

und ihrer Nähe zu den heute ausgebeuteten Silberminen in Schwaz zu suchen. Dementsprechend wundert es wenig, dass gerade in Hall 1486 die erste hochwertige

Silbermünze mit der Prägung des ersten Talers geschlagen wurde.

Auch im 16. Jahrhundert war die Münzprägestätte in Hall sehr innovativ;

so setzte man hier zum ersten Mal für die reguläre Münzprägung Maschinen,

die so genannten Walzenprägemaschinen, ein.

 

Später brachten die Spanier große Mengen von Silber aus Lateinamerika, unter anderem

aus der sagenumwobenen Mine von Potosí, nach Europa.

Auch Japan war im 16. Jahrhundert Silberexporteur. Durch das gestiegene Angebot sank

der Silberwert in der Alten Welt.

Da nach 1870 vorwiegend Gold als Währungsmetall verwendet wurde, verlor das Silber

seine wirtschaftliche Bedeutung immer mehr.

Das Wertverhältnis sank von 1:14 einige Zeit lang auf 1:100, später stieg es wieder etwas an.

Im März 2018 liegt/lag es bei ungefähr 1:81.

Das Angebot an Silber ist von der Verbrauchs- und Produktionsentwicklung anderer

Metalle abhängig.

 

Mitte des 19. Jahrhunderts wurde rostfreier Stahl entwickelt, der dann aufgrund seiner Gebrauchsfreundlichkeit und des attraktiven Preises nach dem Ersten Weltkrieg in die Einsatzbereiche des Silbers vordrang, etwa Servierplatten, Bestecke, Leuchter und Küchengerät. Gegenläufig dazu hat sich der Bereich Fotografie und Fotochemie unter Verwendung der Silbersalze während des ganzen 20. Jahrhunderts breit entwickelt, verlor aber seit Ende der 1990er Jahre im Zuge der Umstellung auf die digitale Abbildungstechnik erheblich an Bedeutung.

 

Silber hat in der Erdkruste einen Anteil von etwa 0,079 ppm.

Es ist damit etwa 20 mal häufiger als Gold und rund 700 mal seltener als Kupfer.

Es sind weltweit bisher (Stand: 2018) über 5500 Fundorte dokumentiert.

 

Heute befinden sich die wichtigsten Silbervorkommen in Nordamerika

(Mexiko, den USA und Kanada) und in Südamerika (Peru, Bolivien).

Mit rund 30 % der globalen Förderung war Peru 2009 der weltweit größte Silberproduzent.

Im Jahr 2015 förderte Mexiko mit 5370 t weltweit das meiste Silber, gefolgt von Peru mit 3850 t.

Das polnische Unternehmen KGHM ist mit durchschnittlich 1.200 Tonnen Jahresförderung das bedeutendste Silberunternehmen der EU und das zweitgrößte weltweit.

 

Laut einiger Studien beträgt die weltweite Reichweite der Silberressourcen nur noch 29 Jahre. Somit ist mit einer Verknappung von Silber in den nächsten Jahrzehnten zu rechnen.

Allerdings wird auch immer mehr Silber recycelt, wodurch die bekannten Vorkommen

geschont werden.

 

 

Physikalische Eigenschaften

 

Silber ist ein weißglänzendes Edelmetall.

Das Metall kristallisiert im kubischen-flächenzentrierten Kristallsystem.

Unter Normaldruck betragen die Schmelztemperatur 961 °C und die

Siedetemperatur 2212 °C. Silber hat aber bereits oberhalb von 700 °C,

also noch im festen Zustand, einen deutlichen Dampfdruck.

Es siedet unter Bildung eines einatomigen, blauen Dampfes.

 

Silber hat einen metallischen Glanz. Frische, unkorrodierte (Schnitt)flächen von Silber zeigen

die höchsten Licht-Reflexionseigenschaften aller Metalle, frisch abgeschiedenes Silber reflektiert über 99,5 Prozent des sichtbaren Lichtes. Als „weißestes“ aller Gebrauchsmetalle wird es daher auch zur Herstellung von Spiegeln benutzt.

 

Silber leitet von allen Metallen Wärme und Elektrizität am besten. Wegen seiner Dehnbarkeit

und Weichheit lässt es sich zu feinsten, blaugrün durchschimmernden Folien von einer Dicke

von nur 0,002 bis 0,003 mm aushämmern oder zu dünnen, bei 2 km Länge nur 0,1 bis 1 g wiegenden Drähten ausziehen.

 

 

Chemische Eigenschaften

 

Silber ist ein Edelmetall und relativ reaktionsträge. Es reagiert auch bei höherer Temperatur

nicht mit dem Sauerstoff der Luft. Da in der Luft spurenweise Schwefelwasserstoff enthalten

ist, laufen Silberoberflächen allerdings mit der Zeit schwarz an, da elementares Silber mit Schwefelwasserstoff in Anwesenheit von Luftsauerstoff Silbersulfid bildet.

 

 

Biologisch-medizinische Eigenschaften

 

Silber wirkt in feinstverteilter Form bakterizid, also schwach toxisch, was aufgrund der

großen reaktiven Oberfläche auf die hinreichende Entstehung von löslichen Silberionen zurückzuführen ist.

Im lebenden Organismus werden Silberionen jedoch in der Regel schnell an Schwefel

gebunden und scheiden aus dem Stoffkreislauf als dunkles, schwer lösliches Silbersulfid aus.

 

 

Mythologische Eigenschaften

 

Silber gilt in vielen Märchen und Sagen als das einzige Metall, das in der Lage ist, Werwölfe und andere mythologische Wesen zu töten, was auch in modernen Fantasy-Romanen und Filmen häufig aufgegriffen wird.

 

 

Silberpreis

 

Der Preis des Silbers wird auf dem offenen Markt bestimmt. Das geschieht seit dem

17. Jahrhundert am London Bullion Market. Die Einführung des Silberfixings 1897 in

London markiert den Beginn der Marktstruktur. 1987 wurde die London Bullion Market Association gegründet. Drei LBMA-Mitglieder nehmen am Silberfixing an jedem Arbeitstag

unter Vorsitz der Bank of Nova Scotia – Scotia Mocatta teil. Weitere Mitglieder des Silberfixings sind die Deutsche Bank AG London und HSBC Bank USA NA London Branch.

 

 

Währung und Wertanlage

 

Die früher wichtigste Verwendung war die Herstellung von Silbermünzen als Zahlungsmittel.

Für Münzen wurde in der Antike und im Mittelalter nur Silber, Gold und Kupfer bzw. Bronze verwendet. Der Münzwert entsprach weitgehend dem Metallwert (Kurantmünze). In Deutschland waren bis 1871 Silbermünzen (Taler) vorherrschend, die Währung war durch Silber gedeckt (Silberstandard). Nach 1871 wurde der Silber- durch den Goldstandard abgelöst. Der Grund für die Verwendung dieser Edelmetalle waren die hohe Wertspeicherung (Seltenheit) und Wertbeständigkeit von Silber und Gold. Erst in moderner Zeit werden Münzen auch aus anderen Metallen, wie Eisen, Nickel oder Zink hergestellt, deren Metallwert aber geringer ist und nicht dem aufgeprägten Wert entspricht (Scheidemünze). Silber wird als Münzmetall heute meist nur noch für Gedenk- und Sondermünzen verwendet.

 

Besonders in Zeiten von Wirtschaftskrisen – wie z. B. ab 2007 – hat sich neben Gold auch das Edelmetall Silber durch seine Kurs- und Wertstabilität als eine der wichtigsten Anlageform

in verschiedensten Ausprägungen wie z. B. Silberbarren, Silberschmuck oder Silbermünzen erwiesen. Im Umfeld von Währungskrisen gab es seit der Antike mehrmals in der Geschichte

ein Silberverbot.

 

 

Wirtschaftliches

 

Silber ist neben Gold und Edelsteinen ein wichtiges Material für die Herstellung von Schmuck

und wird seit Jahrhunderten für erlesenes und wertbeständiges Essbesteck (Tafelsilber) und Sakrales Gerät verwendet. Silberstempel (Meistermarke, Stadtmarke, Steuermarke u. a. Punzen) geben Auskunft über die Herkunft des Gegenstandes. Bei Schmuck, Gerät und Barren kann der Silbergehalt, sofern angegeben, anhand des Feingehaltstempels abgelesen werden.

 

Silbermedaillen werden bei vielen Sportwettkämpfen als Zeichen für das Erreichen des

zweiten Platzes verliehen. Die olympische Goldmedaille besteht ebenfalls zu 92,5 % aus

Silber und ist lediglich mit 6 g reinem Gold vergoldet.

 

Sehr begehrt ist es auch bei Musikinstrumenten, da es aufgrund seiner Dichte einen

schönen, warmen Ton von sich gibt, leicht zu verarbeiten ist und z. B. bei der Querflöte

das empfindliche Holz ersetzt.

 

 

Silberlegierungen

 

Silber ist mit vielen Metallen legierbar. Gut legieren lässt es sich mit Gold, Kupfer oder Palladium. In begrenztem Umfang lässt sich Silber mit Chrom, Mangan oder Nickel legieren. Legieren erhöht zumeist die Härte des Silbers. Mit Cobalt oder Eisen lässt es sich nicht legieren.

 

Die wichtigsten Silberlegierungen sind heute Kupfer-Silber-Legierungen. Sie werden meist

nach ihrem Feingehalt an Silber, angegeben in Tausendstel, bezeichnet. Die gebräuchlichsten Silberlegierungen haben einen Feingehalt von 800, 835, 925 und 935 Tausendstel Teile Silber. 925er Silber wird nach der britischen Währung Pfund Sterling als Sterlingsilber bezeichnet.

Es ist die wichtigste Silberlegierung und wird u. a. zur Herstellung von Münzen, Schmuck und Besteck verwendet.

 

Im Hinblick auf den Export werden heute Korpuswaren vorwiegend aus einer Silberlegierung

mit einem Feingehalt von 935/1000 hergestellt, da die Waren mit Silberloten gelötet werden, deren Feingehalt niedriger ist, um letztendlich dem gesetzlich geforderten Gesamtfeingehalt

von beispielsweise 925/1000 zu genügen.